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Dubai baut eine Mars-Stadt in der Wüste. Oder versucht es zumindest.

·6 min
Autor
weltraum.blog
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Außenansicht zweier großer Geodesic-Dome in einer Wüstenlandschaft bei Sonnenaufgang. Im Inneren sind Bäume sichtbar.
Zwei der geplanten Biodome in der Dubai-Wüste. Die transparanten Kuppeln lassen Sonnenlicht herein und schaffen ein bewohnbares Mikroklima. Credit: Bjarke Ingels Group / Dubai Media Office

September 2017. Bei den UAE Government Annual Meetings stand Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum auf und kündigte ein Projekt an, das so kühn klang, dass es kaum real wirkte: eine 140-Millionen-Dollar-Mars-Simulationsstadt in der Dubai-Wüste, entworfen von Bjarke Ingels Group, groß genug, um die doppelte Fläche von Alcatraz Island zu bedecken.

Die Renders kamen am selben Tag raus. Und die waren der Hammer.

Mehrere transparente Kuppeln aus der Wüste. Palmen in druckbeaufschlagten Biodomen. 3D-gedruckte Wände aus echtem emiratischem Wüstensand. Ein Museum. Labore. Ein Team von Astronauten, das sich für ein ganzes Jahr einschließt, so tut, als wäre es auf dem Mars, während die echte Dubai-Skyline direkt über dem Horizont liegt.

Das Ding hieß Mars Science City und war das physische Herzstück der Mars-2117-Strategie der VAE: ein 100-Jahre-Plan für die erste menschliche Siedlung auf dem Roten Planeten.

Acht Jahre später sind die Renders immer noch das Einzige, was real ist.

Die BIG-Vision
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Innenansicht eines Biodoms mit organisch geschwungenen Wänden aus geschichteten Materialien, Vegetation oben auf den Wänden, Personen in Raumanzügen.
Der ikonische Innenraum der Mars Science City: organische Rammbeton-Wände, begrünte Dachflächen, Forschende in Raumanzügen. Credit: Bjarke Ingels Group / Dubai Media Office

Bjarke Ingels Group hat nicht einfach ein Gebäude entworfen. Die haben eine ganze Bau-Logik dafür entwickelt, wie man eine Stadt auf einer anderen Welt baut. Ein zentrales Konzept ist die „martianische Architektursprache": Unter den extremen Bedingungen des Mars würden sich zwangsläufig ganz eigene Baustile entwickeln – so wie die Menschen über Jahrtausende auf der Erde völlig unterschiedliche Bauformen gefunden haben, um mit Hitze, Kälte oder Wind klarzukommen.

Vergleich traditioneller Bauweisen (Jurte, Iglu, Troglodytenhaus) mit modernen Entsprechungen (Inflatables, 3D-Druck, Tunnelbohrer).
BIGs Ansatz: Was die Jurte für die Steppe ist, ist das aufblasbare Habitat für den Mars. Traditionelle Bauformen als Inspiration für extraterrestrische Architektur. Credit: Bjarke Ingels Group

Die Bauabfolge liest sich wie ein Science-Fiction-Roman: Roboter kommen zuerst. Sie graben einen Perimeter-Graben. Die erste Ebene jeder Struktur liegt unter der Erde, abgeschirmt vor Strahlung durch Meter von verdichtetem Regolith (in diesem Fall Dubai-Sand). Dann errichten sie eine aufblasbare Membran, eine durchsichtige Polyethylen-Haut, die Sonnenlicht reinlässt und Wärme speichert. Darunter extrudieren 3D-Drucker Wände aus Sand.

Vier Bauweisen für extraterrestrische Habitate: Ziegelkuppel, Metallgerüst, 3D-gedruckter Regolith, überdeckte Inflatables.
BIG untersuchte vier Methoden für den Bau auf dem Mars. Der Hybrid-Ansatz (aufblasbare Membran + 3D-gedruckte Außenhülle) schnitt am besten ab. Credit: Bjarke Ingels Group

BIG hat verschiedene Bauweisen systematisch verglichen – von Ziegelkuppeln über 3D-gedruckten Regolith bis zu aufblasbaren Membranen, die mit lokalem Material überdeckt werden. Der Hybrid-Ansatz, der mehrere Techniken kombiniert, schnitt in allen Kategorien am besten ab.

Was reinkommt
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Innenansicht eines Geodesic-Biodoms mit vertikaler Landwirtschaft und mehreren Ebenen mit Pflanzen.
Die Biodome waren nicht nur für Menschen gedacht – Lebensmittelproduktion in vertikalen Farmen war ein zentraler Bestandteil des Konzepts. Credit: Bjarke Ingels Group / Dubai Media Office

Das Programm hat einige echte Komponenten:

  • Nahrungs-, Energie- und Wasserlabore für geschlossene Lebenserhaltungssysteme
  • Agrarforschung zur Nahrungsmittelproduktion unter Mars-Bedingungen
  • Ein Space Robotics Lab für autonome Bau- und Erkundungssysteme
  • Ein Analog-Habitat, in dem eine Crew ein Jahr in Isolation verbringen würde
  • Ein Nachhaltigkeitslabor für Langzeit-Missionslogistik
  • Ein öffentliches Museum über Raumfahrtgeschichte

Der Analog-Habitat-Teil ist das Spannendste. MBRSC hatte bereits zwei emiratische Astronauten für eine achtmonatige Mars-Simulation in Russland nominiert. Eine eigene Einrichtung in Dubai Academic City würde dem Astronautenprogramm der VAE unabhängige Trainingsmöglichkeiten geben – kein Grund mehr, sich fremde Sandkästen zu borgen.

Der Mars-2117-Kontext
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Dreistufige Entwicklung einer Mars-Kolonie: Stufe I (10 Jahre, 10 Personen) bis Stufe III (40-60 Jahre, 10.000-1.000.000 Personen).
BIGs Drei-Stufen-Plan für die Mars-Besiedlung: Erst vorgefertigte Gebäude mitbringen, dann Baumaschinen, schließlich nichts mehr – volle Selbstversorgung. Credit: Bjarke Ingels Group

Mars Science City kam nicht aus dem Nichts. Die VAE sind auf einer Raumfahrt-Trajektorie, die man kaum ignorieren kann:

  • 2021: Hope Probe erreicht den Mars-Orbit – die erste arabische interplanetare Mission
  • 2024: Emirates Lunar Mission (Rashid Rover) versucht den Mond
  • 2026: Emirates Airlock für die Gateway-Mondstation
  • Astronautenprogramm: Sultan Al Neyadi verbrachte sechs Monate auf der ISS im Jahr 2023

Die Mars-2117-Strategie, zusammen mit der Stadt angekündigt, will innerhalb eines Jahrhunderts eine menschliche Siedlung auf dem Mars errichten. BIGs Drei-Stufen-Plan dahinter: Stufe I („Bring Your Buildings") – Fertigbauten von der Erde mitbringen für die ersten 10 Pioniere. Stufe II („Bring Machines") – Maschinen bauen aus lokalen Materialien, 100 bis 1.000 Siedler. Stufe III („Bring Nothing") – vollständige Selbstversorgung, zehntausende bis Millionen Bewohner. Mars Science City sollte Stufe I und II auf der Erde testen.

Die Stille seit 2021
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Satellitenansicht eines Wüstenstadtgebiets mit einem weiß markierten Rechteck und Distanzangaben.
Der ausgewählte Standort in Dubai Academic City. Die Markierung zeigt die geplante Fläche von etwa 2,3 mal 3,2 Kilometern. Credit: Bjarke Ingels Group / Dubai Media Office

Juni 2021 war das letzte Mal, dass jemand Konkretes gehört hat. Adnan Al Rais, Mars-2117-Programmmanager bei MBRSC, sagte The National, der Bau würde „nächstes Jahr" beginnen – 2022 – mit Fertigstellung bis 2024. Der Standort war von Al Khawaneej (nahe MBRSC-Zentrale) nach Dubai Academic City verlegt worden, wegen der Nähe zu Universitäten und Erweiterungsmöglichkeit.

Das ist fünf Jahre her. Es gab keine Grundsteinlegungen. Keine Bau-Fotos. Keine neuen Renders. BIGs eigene Projektseite listet den Status immer noch als „Idea."

MBRSCs aktuelle Website – Copyright 2026 – zeigt KhalifaSat, das Astronautenprogramm, den Rashid Rover und den Emirates Airlock. Mars Science City taucht nirgends auf der Startseite auf. Das Projekt ist verstummt.

Das ist nichts Ungewöhnliches für UAE-Megaprojekte. Etwas Spektakuläres ankündigen und dann jahrelang simmern lassen, ist Lokaltradition. Aber es könnte auch sein, dass sich die Rechnung verschoben hat. 140 Millionen Dollar sind viel Geld für eine Einrichtung, deren Hauptzweck Simulation und Training ist, vor allem wenn NASAs konkurrierendes Analog, Mars Dune Alpha im Johnson Space Center, für einen Bruchteil dieser Kosten aus 3D-gedruckten Modulen gebaut wurde.

Warum es trotzdem zählt
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Die Sache mit den Renders: Sie sind nicht nur hübsche Bilder. Die Bau-Logik dahinter ist genau das, was NASA und ICON im Johnson Space Center machen. Dieselbe Firma, übrigens. BIG hat sowohl Mars Science City als auch Mars Dune Alpha entworfen, das 160-Quadratmeter-3D-Druck-Habitat, in dem NASA-Crews bereits einjährige CHAPEA-Missionen absolviert haben.

Ein Architekturbüro. Zwei völlig unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage. Die Dubai-Version sagt: gebt ihnen Gärten und Licht. Die NASA-Version sagt: gebt ihnen genug, nicht mehr.

Die Chinesen haben ihren eigenen Ansatz, das C-Space-Projekt in der Gobi-Wüste. Jeder größere Raumfahrtakteur baut gerade erdgebundene Mars-Analogs, weil niemand herausfinden will, wie man auf einem anderen Planeten überlebt, nachdem man dort schon gelandet ist. Man testet das Habitat zuerst, auf der Erde, wo man noch die Tür öffnen und einfach gehen kann.

Mars Science City war die visuell mutigste Version dieser Idee. Ob es gebaut wird oder nicht, irgendjemand wird irgendwann solche Kuppeln bauen. Die Frage ist nicht ob, sondern ob sie so aussehen werden.

Innenansicht eines Geodesic-Biodoms mit vertikalen Farmebenen, Forschern in Laborkitteln, Wasserbecken und Bäumen.
Ein weiteres Biodom-Konzept mit Agrarforschung im Inneren. Die Kombination aus Lebensmittelproduktion und Aufenthaltsraum war zentral für das Selbstversorgungskonzept. Credit: Bjarke Ingels Group

Quellen: ArchDaily (2017), The National (2021), BIG-Projektseite (big.dk), MBRSC-Webseite, CNN Style (2020), Gulf News (2019), UAE Government Portal (u.ae)

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt und vor Veröffentlichung geprüft

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